Im Gespräch mit

Monika Hirsch-Sprätz

Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg und Teilnehmerin am
1. Internationalen Cybermobbing Kongress am 11. September 2013 in Berlin

Umgang mit Cybermobbing –

gesamtgesellschaftlicher und politischer Auftrag


Cybermobbing – ein Begriff, der sich in den letzten Jahren fest etabliert hat. Ein weites Feld für Experten, wie Pädagogen, Juristen, Psychologen, Ärzte, Forscher, Führungskräfte und zunehmend auch für Politiker. Am 11. September 2013 findet in Berlin der 1. Internationale Cybermobbing Kongress statt, organisiert vom Bündnis gegen Cybermobbing. Thema: „Das Phänomen Cybermobbing: Folgen für die Gesellschaft und Möglichkeiten der Prävention“. Schirmherrin: Dr. Kristina Schröder, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Mit dabei sein wird auch Monika Hirsch-Sprätz, Leiterin der Mobbingberatung Berlin-Brandenburg. Ein wichtiges Gebiet für die Dipl.-Sozialpädagogin: „Mobbing in der Schule“.

Das Diffamieren, Belästigen, Bedrängen, Nötigen und Bloßstellen übers Internet, in Chatrooms oder via Mobiltelefon nimmt kein Ende. Diverse Studien untermauern den Trend. Von Entwarnung kann also keine Rede sein? 

Nein, auf gar keinen Fall. Es gibt eine zunehmende Tendenz. Cybermobbing ist und bleibt ein dauerhaftes Übel, wobei Schulen damit noch offensiver umgehen müssen. Es wird viel für die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen getan, aber das alleine reicht nicht aus.

Was schlagen Sie vor?

Das Thema (Cyber-)Mobbing muss im Unterricht als fixer Baustein behandelt werden, so zum Beispiel im Fach Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde, genauso wie in der Lehreraus- und -fortbildung sowie Elternschulung.

Gut wäre es, klar strukturierte, interdisziplinäre Projekte für SchülerInnen und Lehrkräfte in diesem Bereich durchzuführen. Neben inhaltlich-methodischen Angeboten für die SchülerInnen können auch Lehrkräfte über soziales Kompetenztraining, Anti-Aggressionstraining, Stressbewältigung, Supervision oder Konfliktcoaching unterstützt werden.

Es gibt einige Ansätze, gegen Cybermobbing vorzugehen. So haben im Land Brandenburg beispielsweise 855 Schulen Partnerschaften mit der Polizei.

Die Partnerschaft mit Präventionsbeauftragten der Polizei ist wichtig. Und es ist gut, dass dieses Projekt als eine Ebene von Information und Kooperation besteht. Bleibt es ausschließlich dabei, liegt der Blick rein auf der individuellen Straftat, aber nicht auf pädagogischen, gruppendynamischen, strukturellen oder systemischen Prozessen. Wenn es aus Rache und Vergeltung vor Ort dann erst recht weitergeht, braucht es andere Interventionen. Von diversen Präventionsbeauftragten der Polizei weiß ich, dass die Polizeibehörden nur an der Oberfläche informierend agieren können.

Und wenn eine Strafanzeige wegen Cybermobbing fällig wird, …

… dann kommt es vor, dass die Betroffenen und ihre Eltern nicht ernst genommen werden oder die Beweislage nicht ausreicht. Von Polizeiseite wird vereinzelt abgeraten, überhaupt eine Anzeige aufzugeben. Oder es wird gesagt: „Wenn keine sichtbaren Verletzungen vorliegen, können wir nichts tun.“ Die Anzeige wird eventuell aufgenommen, aber die Angelegenheit dann von Seiten der Staatsanwaltschaft eingestellt, oft ohne Anhörung der Betroffenen, ohne Informationen an sie.

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